Tagesmutter vs. Kita: Was ist das Beste für mein Kind?

Kinder fassen sich an die Hand

TAGESMUTTER VS. KITA: WAS IST DAS BESTE FÜR MEIN KIND?

– Gastbeitrag von Nadia Quast –

Wer kennt es nicht: Über Monate hat man sich auf sein Baby gefreut. Kaum ist es da, verfliegen die einzelnen Tage und Monate im Nu und prompt stellt sich eine weitere sehr wichtige Frage: „Wo lasse ich mein Kind in Zukunft betreuen?“

Manche Familien haben vielleicht das Glück, den Alltag für eine Weile mit den Familienangehörigen zu überbrücken, wie zum Beispiel mit Oma und Opa. Aber irgendwann kommt man dennoch nicht mehr an der Frage vorbei: „Soll mein Kind in die Kindertagesstätte oder doch lieber zu einer Tagesmutter?“

Interessant ist dabei hervorzuheben, dass es dafür keine Beurteilung in Form von besser oder schlechter gibt. Denn bei beiden Formen muss zu allererst sehr viel Vertrauen entgegengebracht werden, denn schließlich wird das Kind in die Hände einer zunächst fremden Institution oder einer fremden Einzelperson gegeben. Egal, wie man sich entscheidet, es gibt immer individuelle Vor – und Nachteile und hier gilt es schlichtweg abzuwägen.

Das präzise Betrachten hilft dabei, ein genau passendes Angebot für die Familie mit ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Lebenseinstellungen zu finden. Somit ist es naheliegend, sich die beiden Möglichkeiten genauer anzuschauen und zu verstehen, was sich dahinter verbirgt.

TAGESMÜTTER & TAGESVÄTER

Kindertagespflegepersonen (auch Tageseltern, Tagesmutter oder Tagesvater genannt) sind nach dem Gesetz geeignete Personen, die Kinder in ihrem eigenen Haushalt, in angemieteten Räumen oder im Haushalt der Personenberechtigten, zum Beispiel der Eltern, betreuen.

Seit bereits vielen Jahren ist die Betreuung bei einer Tagesmutter der Betreuung in einer Kindertageseinrichtung gleichwertig. Durch den Rechtsanspruch für Kinder ab dem ersten Lebensjahr 2013, wurde der Ausbau an Krippen vorangebracht und auch die Betreuungsplätze bei Kindertagespflegepersonen haben dabei zugenommen und wesentlich mehr an Beachtung gewonnen.

QUALIFIZIERUNG & AUSBILDUNG

Kindertagespflegepersonen müssen besondere Anforderungen erfüllen und haben eine entsprechende „Qualifizierung“ durchlaufen. Diese Qualifizierung hat mindestens 160 Zeitstunden. Dieser Standard soll in Zukunft weiter ausgebaut werden und soll auf 300 Stunden aufgestockt werden. Die Empfehlung stammt dabei vom Deutschen Jugendinstitut (DJI), das ein Qualitätshandbuch für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erarbeitet hat. Alle Tagesmütter haben immer einen Erste – Hilfe – Kurs absolviert, in der erweiterten Form erbringen die Tagesmütter auch verschiedene Praktikas und durchlaufen einige Selbstlerneinheiten.

Alles in allem, ist die Qualifizierung nicht so komplex, wie die Ausbildung einer pädagogischen Fachkraft selbst, wie zum Beispiel einer staatlich anerkannten Erzieherin. Jedoch gibt es auch unter den Tagesmüttern eine Menge ausgebildete Erzieherinnen, die zusätzlich eine Qualifizierung absolviert haben, um den Weg in ihre Selbstständigkeit zu wagen und ein besonderes Konzept anzubieten.

Je nach Bundesland gibt es eine erhebliche Anzahl an Landesgesetzen wie auch Verordnungen, an die sich die Tagesmütter und -väter zu halten haben und die ihnen eine Orientierung und entsprechende Struktur geben. Die ansässigen Jugendämter erteilen dabei eine Pflegeerlaubnis und betreuen und begleiten die Tagesmütter und -väter mit regelmäßigen Informationen, Schulungen und Weiterbildungen.

Über das ansässige Jugendamt können übrigens auch die kompletten Listen der Tagespflegepersonen eingefordert werden, um einen Überblick über das  gesamte Angebot einer Gemeinde oder Stadt zu erhalten.

Tagesmutter mit Kindern auf dem Sofa

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WIE VIELE KINDER WERDEN IN EINER TAGESPFLEGE BETREUT?

In der Regel betreuen Tagespflegepersonen zwischen eins und fünf Kindern und häufig wird das Angebot für Babies und/oder Kleinkinder zwischen einigen Wochen/Monaten bis drei Jahren genutzt. Es gibt jedoch auch Tagesmütter, die bestimmte Randzeiten für ältere Kinder anbieten und auch hier bestimmte Nischen abdecken. Zum Beispiel bringen sie Kinder nach einer bereits frühen Betreuung am Morgen in den Kindergarten und in die Schule und decken ggf. wieder den späten Nachmittag mit einer Hausaufgabenbetreuung und Abendessen ab.

In einigen Großstädten haben sich mittlerweile auch Großtagespflegestellen gegründet, in der sich mehrere Tagesmütter zusammengeschlossen haben und in geeigneten Räumen ihre Dienste gemeinsam anbieten. Vorteil ist hier, dass die Räumlichkeiten sich schon fast einer Krippe gleichen und sich die Tagesmütter bei Krankheiten oder anderen Ausfällen gegenseitig vertreten können. Oft wird die Form der Großtagespflegestellen auch genommen, um bei Firmen eine (Probe-)Betreuung anzubieten, bevor eine gesetzliche „Betriebs- Kindertagesstätte“ etabliert wird.

DIE VORTEILE VON TAGESELTERN KÖNNEN VIELFÄLTIG SEIN

  • Die Umgebung ist familiär und ähnelt ggf. dem Familienleben zu Hause.
  • Die Kinder werden in einer kleinen und überschaubaren Gruppengröße zwischen eins bis fünf Kindern betreut.
  • Der Tagesablauf lässt ggf. einen breiteren und individuelleren Rahmen zu (z. B. längere Schlafzeiten, mehrere Essenszeiten, Übernachtungsmöglichkeiten usw.)
  • Die Betreuungszeit kann sehr flexibel ausgestaltet sein (z.B. schon sehr früh morgens oder bis spät abends)
  • Die Kosten können ggf. günstiger ausfallen als in einer Krippe.
    Auch hier gibt es jedoch von Stadt zu Stadt, von Kommune zu Kommune Unterschiede und so macht es Sinn, sich schon frühzeitig mit den Kosten auseinanderzusetzen. Denn durchaus gibt es Tagesmütter, die neben dem bereits festgelegten Satz des Jugendamtes noch einen Extrabeitrag verlangen, da sie zum Beispiel ein besonderes Projekt anbieten und/oder eine gesonderte Ausbildung besitzen.
  • Je nach Region gibt es auch Tagesmütter mit besonders außergewöhnlichen Konzepten (z. B. die Angliederung auf einem Bauernhof, zweisprachige Erziehung/besondere Fremdsprachen oder besondere Sportangebote, da die Tagesmütter spezielle Übungsleiter-Lizenzen besitzen – etwa im Yoga oder Kinderturnen)

DIE HERAUSFORDERUNGEN BEI TAGESELTERN

  • Ist eine Tagesmutter krank oder geht auf Fortbildung, gibt es oft keinen Ersatz und es muss gewartet werden, bis sie wieder voll einsatzfähig ist.
  • Eine Tagesmutter arbeitet mehrheitlich alleine und es gibt kein weiteres Fachpersonal zur Unterstützung oder zur möglichen Gegenkontrolle. Hin und wieder fehlt der kollegiale Fachaustausch, um bestimmte Situationen zu lösen.
  • Tagesmütter tragen die komplette Verantwortung und Kosten alleine. Manche beschließen nach einer Weile der Selbstständigkeit, wieder zurück in ein sicheres Angestelltenverhältnis zu wechseln.
  • Der Rahmen wird nach einer Weile zu klein und es schleicht sich vielleicht Langweile und Eintönigkeit ein.
  • Wichtige Konzepte und Fachwissen werden häufiger nur „oberflächlich“ behandelt.
  • Manchmal kann es zu Problemen mit dem Haus / der Wohnung einer Tagesmutter geben, wenn z. B.  Eigenbedarf angemeldet wird und keine weiteren adäquaten Räume mehr gefunden werden. 

KRIPPE, KINDERTAGESSTÄTTE & KINDERGARTEN

Neben den Tagesmüttern gibt es  eine breite Landschaft an Einrichtungen, in denen Babies, Kleinkinder und große Kinder betreut werden. Deutschlandweit gibt es für jedes Kind einen Rechtsanspruch, dass es eine Tagesmutter und/oder Kindertagesstätte besuchen kann und darf. Jede Kommune ist also dazu verpflichtet, entsprechend genügend Plätze bereitzustellen.

Die Bereitstellung eines Platzes ist ausreichend, dabei muss nicht unbedingt der direkte Erstwunsch oder Lieblingsplatz in einer bestimmten Kindertagesstätte den Familien bereitgestellt werden. Es ist also sinnvoll, sich schon sehr frühzeitig mit den Betreuungsangeboten vor Ort auseinanderzusetzen und so früh wie möglich eine Anmeldung vorzunehmen.

Jede Stadt oder Gemeinde kann dazu ein unterschiedliches Verfahren haben – manche lassen direkt in den Einrichtungen vor Ort anmelden, andere Gemeinden besitzen ein übergreifendes Online-„Vormerk“-Programm und andere wiederum besitzen eine Mischung aus beidem. Aber in fast jeder Gemeinde gibt es Informationen auf der offiziellen Webseite oder es gibt eine „Kita- und Tagesmutter“-Broschüre & Wegweiser, der in einem Rathaus abgeholt werden kann.

kita

KRIPPE

Je nach Betriebserlaubnis des Landesjugendamts werden bis zu zehn Kinder in einer Krippengruppe betreut. Es gibt eine Mehrzahl von Einrichtungen, die ab zwölf Monaten aufnehmen, jedoch auch Krippen mit bereits jüngeren Kindern wie zum Beispiel ab sechs Monaten. In einer reinen Krippe werden nur Kinder bis drei Jahre bzw. bis zum Übergang in den Kindergarten betreut.

KINDERTAGESSTÄTTE

Eine Kindertagesstätte ist eine Einrichtung, in der neben Krippenkindern und deren Gruppen auch Kindergartenkinder betreut werden und in der Regel eine größere Altersmischung, zum Beispiel von einem Jahr bis Schuleintritt, vorhanden sein kann. In einigen Einrichtungen gibt es sogar noch Hortgruppen für Kinder bis zwölf Jahre, sodass die Kinder eine lange Zeit ihrer Kindheit an einem konstanten Ort verbringen können.

PERSONAL & KONZEPTION

Verschiedene Bundes- und Landesgesetze regeln die Arbeit in einer Krippe und Kindertagesstätte. Um überhaupt eine Betriebserlaubnis zu erhalten, müssen die pädagogischen Einrichtungen u. a. über qualifiziertes Personal verfügen und eine pädagogische Konzeption aufweisen. Neben den klassischen Berufsbildern von staatlich anerkannten Erzieher*innen und staatlich anerkannten Kinderpfleger*innen, gibt es auch immer mehr wissenschaftlich ausgebildete Fachkräfte, zum Beispiel Kindheitspädagog*innen oder staatlich anerkannte Sozialpädagog*innen, die in den Kindertagesstätten arbeiten.

Der aktuelle Fachkräftemangel hat außerdem dazu geführt, dass der Fachkräftekatalog ausgeweitet wurde und auch Fachkräfte mit einer Zusatzschulung in den Kitas arbeiten können, wie Kinderkrankenschwestern, Logopäd*innen oder Ergotherapeut*innen. Diese interdisziplinären Teams haben den Vorteil, dass sie einen sehr geschulten Blick auf jedes einzelne Kind haben und somit eine passgenaue Förderung der Kinder gegeben ist.

DIE VORTEILE DER PÄDAGOGISCHEN EINRICHTUNGEN:

  • Geschultes Personal mit unterschiedlichen Berufsschwerpunkten. Das Personal kann seine eigenen Stärken einbringen und bei eventuellen Entwicklungsverzögerungen an weitere Stellen verweisen oder diese sogar selbst mit dem Kind lösen.
  • Eine Gruppenstärke von zehn Kindern (Krippe) in einer Gruppe, in dem ein „von“ und „miteinander“ Lernen im Mittelpunkt steht. Dabei werden die Kinder von mehreren Fachkräften betreut, die fest einer Gruppe zugeordnet sind.
  • Die Lernumgebung ist komplett auf eine Kindergruppe zugeschnitten und die Einrichtung bietet im Innen- und Außenbereich eine große Vielfalt an freien und gezielten Angeboten.
  • Die Entwicklungsschritte werden regelmäßig dokumentiert und den Eltern in umfassenden Elterngesprächen erläutert. 
  • Die Entwicklung wird auch im „Portfolio“ des Kindes sichtbar gemacht, d. h. einzelne Meilensteine eines Kindes werden fotografiert. Hinzu kommen einzelne Lerngeschichten, zum Beispiel: „Ich lerne laufen“, „Ich lerne sprechen“ usw.
  • Je nach Konzept der Einrichtung können die Kinder auch übergreifend mit den älteren Kindern in Kontakt kommen und Freundschaften knüpfen. 
  • Besuchen die Kinder bereits eine Kita, können sie die Gruppe innerhalb des Hauses wechseln, z. B. von der Krippe in den Kindergarten.
  • Viele Kindertagesstätten bieten neben der pädagogischen Arbeit am Kind noch weitere Angebote an. Familienzentren etwa haben verschiedene Beratungsangebote oder Elterncafés, die genutzt werden können.
  • Im Rahmen von Krankheitsfällen können diese in der ersten Zeit noch gut kompensiert werden, sodass es nicht gleich zu einer kompletten Schließung kommen muss.

Die Herausforderungen einer Kindertagesstätte werden genau ersichtlich, wenn man die positiven Aspekte der Tagesmütter abgleicht.

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DIESE FRAGEN HELFEN EUCH BEI DER ENTSCHEIDUNG

Wahrlich ist es kein leichtes Unterfangen, für sich und sein Kind ein passendes Angebot zu finden, in dem viele Rahmenpunkte genau erfüllt werden. Es gibt jedoch einige Tipps & Tricks und auch Fragen, die euch bei der Entscheidung nach der passenden Betreuung helfen können:

  • Welche Werte hat unsere Familie? Welche Lebenseinstellungen bevorzugen wir? Können diese eher bei einer Tagesmutter bzw. einem Tagesvater oder in einer Krippe / Kita erfüllt werden?
  • Welche Betreuungszeiten benötigen wir, dass es zu einer optimalen Vereinbarkeit von Familie und Beruf kommen kann?
  • Welchen Weg ist es mir wert? Gibt es ein bestimmtes Konzept, dass mich so begeistert, dass ich sogar ans andere Ende der Stadt fahren würde?
  • Wie teuer sind die Einrichtungen? Gibt es mögliche Zuschüsse?
  • Bin ich bereit, auch mögliche längere Wartezeiten auszuhalten?
  • Wie schätze ich mein Kind ein? Ist es jetzt schon eher ein Draufgänger und möchte ganz viel Action haben? Oder benötigt es eher noch eine „Nestbetreuung“ bzw. eine sehr behütete Umgebung?
    Bei dieser Frage sollte man sehr ehrlich sein, denn was mir selbst oder uns als Eltern gefällt, muss nicht dem Wunsch oder Bedürfnis des Kindes entsprechen und umgekehrt. Es sollte also ein Weg gefunden werden, in dem beide Parteien glücklich sind.

Augen auf – um viele der Fragen beantworten zu können oder eine gute Übersicht zu bekommen, ist es wichtig, viel zu erfahren. Das heißt: Es gehört viel Eigenrecherche dazu, aber auch Gespräche und Führungen in den Einrichtungen oder bei den Tagesmüttern bzw. -vätern selbst.

Fragen, fragen, fragen – wer fragt, gewinnt. Gerade bei den Führungen in den Einrichtungen und bei den Tageseltern selbst, ist es wichtig, möglichst viele Inhalte abzufragen. Nur so kann überprüft werden, ob die Zielsetzungen kompatibel sind.

Zu allerletzt: Hört auf euer Bauchgefühl und habt vor allem euer Kind vor Augen. Wer diese Punkte gepaart mit dem Fachwissen beachtet und abwägt, wird sicher eine passende Betreuung für sein Kind finden.

Während Corona gut zu wissen: Zur Zeit arbeiten die einzelnen Tageseltern und Einrichtungen unter bestimmten Corona-Schutzbestimmungen. Eventuell kommt es zu Einschränkungen in den pädagogischen Konzepten oder Änderungen bei den Anmeldeverfahren.

NADIA QUAST // ERZIEHERIN, SOZIALPÄDAGOGIN & AUTORIN

NADIA QUAST // ERZIEHERIN, SOZIALPÄDAGOGIN & AUTORIN

Nadia Quast ist selbst begeistertes Momunity-Mitglied und hat eine einjährige Tochter - Aria Ella Erna. Sie ist „staatlich anerkannte Erzieherin“, Fachwirtin für Organisation und Führung und staatlich anerkannte Sozialpädagogin (B.A. Hochschule Koblenz). Sie leitet eine Kindertagesstätte für Kinder von 1- 6 Jahren in Wiesloch.

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